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Die neuen Sportivas im Vergleich

Kletterschuhe La Sportiva Otaki und Skwama im Test

7 Minuten Lesezeit
Zwei neue Kletterschuhe mit den klangvollen Namen Skwama und Otaki hat La Sportiva 2016 auf den Markt gebracht. Für welchen Kletter-Typ ist welcher Schuh gedacht? Hier hilft unser Vergleichstest!

Die Vielseitigkeit im Klettersport spiegelt sich auch in der Kletterschuh-Auswahl wider. Im Frühling 2016 hat La Sportiva zwei ganz neue Kletterschuhe auf den Markt gebracht. Und zwar genau für den entgegengesetzten Einsatzbereich. Bequem oder doch hauteng mit höchster Sensibilität? – Das ist hier die Frage:

  • Otaki – ein bequemer Kletterschuh für den längeren Einsatz am Fuß gedacht
  • Skwama – ein enger Kletterschuh, der sich wie eine zweite Haut um den Fuß legt

Material, Aufbau und Verschlüsse im Vergleich

Zwei Klettverschlüsse beim Otaki bedeuten: Komfort. Ein Klettverschluss beim Skwama bedeutet: Attacke! | Foto: Marc Lorin Fassbender
Zwei Klettverschlüsse beim Otaki bedeuten: Komfort. Ein Klettverschluss beim Skwama bedeutet: Attacke! | Foto: Marc Lorin Fassbender

Hinsichtlich der verwendeten Materialien sind die beiden neuen La Sportiva-Modelle fast identisch – und doch unterscheiden sie sich im Tragegefühl am Fuß extrem. Das Obermaterial – eine Kombination aus Mikrofaser und Kalbsämischleder – wurde bei beiden Kletterschuhen auf der Oberseite und beim Otaki zusätzlich noch im Fersenbereich verarbeitet.

Einen deutlichen Unterschied sieht man bei den Verschlüssen: Während der Otaki zwei Klettverschlüsse besitzt, ist beim Skwama nur einer, direkt am Einschlupfloch, vorhanden. Dieser verläuft durch eine Schnalle, wodurch sich der Skwama enger stellen lässt als zum Beispiel der Python mit dem festgenähten Klettverschluss.

La Sportiva Otaki: der Komfortable

Der Otaki wirbt mit Bequemlichkeit. Doch was hat sich La Sportiva da Neues einfallen lassen? Unter den zwei Klettverschlüssen gibt es beim Otaki eine „gepolsterte“ Schuhzunge. Zudem ist der vordere Schuhbereich etwas fester als beim Skwama. Im Bereich der Spitze ist eine leichte Polsterung vorzufinden. Somit gibt’s kein Drücken oder schmerzende Zehen, auch nach 35 Metern beim Sportklettern nicht.

La Sportiva Skwama: der Performance-Kletterschuh

Der Skwama hingegen ist wie eine Socke. Eine Schuhzunge existiert nicht, bzw. wurde sie mit der Innen- und Außenschuhseite fest vernäht, wodurch ein Verrutschen verhindert wird.
Der Schuh lässt sich schnell an- und ausziehen und besonders beim Anziehen ist die große Schlaufe an der Schuhzunge von Vorteil. Also nichts wie los in den nächsten Klettergo!

Passform: Vorspannung und Sohlenaufbau

Auch bei den neuen La Sportiva-Kletterschuhen kommt die altbekannte Vibram XS Grip2-Sohle zum Einsatz. Beim Otaki erstreckt sich die Sohle ganz klassisch von der Fußspitze bis zum Anfang des Fersenbereichs, wo die S-Heel Schale anschließt. Der Skwama hingegen besitzt eine unterteilte, längs gespaltene Sohle. Hier ist die XS Grip2-Sohle nur im Ballenbereich vorzufinden, wodurch mehr Präzision im Vorderfuß erreicht wird.

Der mittlere Fußbereich wird bei beiden Modellen vom bewährten P3-System umhüllt. Beide Schuhe sitzen eng am Fuß, ohne dass Luftkammern zwischen Haut und Schuh vorhanden sind.
Im Skwama sitzt der Fuß komprimierter im Schuh und dieser schmiegt sich wie eine zweite Haut an den Fuß an. Zudem besitzt der Skwama mehr Vorspannung als der Otaki. Hier wird beim Otaki durch die etwas geradere Schuhform mehr Tragekomfort erreicht.

Größenwahl

Welche Größe bei La Sportiva Skwama? Normale Schuhgröße -3,5 Welche Größe beim Otaki? Normale Schuhgröße -2,5. | Foto: Marc Lorin Fassbender
Welche Größe bei La Sportiva Skwama? Normale Schuhgröße -3,5 Welche Größe beim Otaki? Normale Schuhgröße -2,5. | Foto: Marc Lorin Fassbender

Bei Straßenschuhen trage ich Größe 39. Jedoch musste ich den Otaki deutlich größer nehmen als den Skwama. Bisher hatte ich bei Kletterschuhen von La Sportiva, etwa dem Python, immer die 35,5.

  • Beim Skwama hat die 35,5 auch gepasst,
  • allerdings brauchte ich den Otaki in der 36,5.

Beide Kletterschuhe weiten sich noch etwas; sie geben von der Ursprungs-Größe circa eine halbe Nummer nach.

Qualität und Abnutzung

In diesem Punkt gibt es meiner Meinung nach nichts zu bemängeln. Eher das Gegenteil! Ich bin positiv überrascht.

Nach zweimonatigem Einsatz ist bei beiden Schuhen im Spitzenbereich die Sohle – wie auch bei jedem anderen Kletterschuh – etwas aufgeraut. Auch an den Kanten zeigt sich eine geringe Abnutzung. Der Übergangsbereich zwischen Sohle und vorderem, oberem Schuhbereich ist gut verklebt und es zeigen sich bis jetzt keinerlei Ablösungen des Sohlenrands. Nicht nur die Sohle, sondern auch der Rest der Kletterschuhe lässt keinerlei Qualitätsmängel erkennen. Sie machen einen gut verarbeiteten, qualitativ hochwertigen Eindruck. Hier hat La Sportiva echt was geliefert.

Die La Sportiva Skwama Kletterschuhe im Test

Wie eine zweite Haut, höchste Sensibilität und doch nicht zu weich, um auch auf den kleinsten Tritten antreten zu können. Denn der vordere Schuhbereich biegt sich bei kleinen Tritten auf Platten unter dem Körpergewicht nicht einfach durch, sondern behält seine Form bei und man spürt trotzdem noch jede Struktur des Tritts.

Auch Heel-Hook und Toe-Hook sind mit dem La Sportiva Skwama kein Problem. Die S-Heel Schale ist vergleichbar mit einem Reifenprofil. Durch die Strukturen im Gummi wird mehr Reibung beim Hooken geschaffen. Durch die Gummierung im vorderen, oberen Schuhbereich wird mehr Reibung erzeugt und die Lebenszeit des Kletterschuhs verlängert.

Eine deutlich sichtbare Besonderheit des Skwama ist die unterteilte Sohle. Das macht den Kletterschuh im vorderen Bereich flexibler. Das Einsatzgebiet des Skwama ist sowohl die Halle als auch der Fels. Beim Antreten vermittelt der Schuh ein perfektes Gefühl und der Fuß bleibt an der gewünschten Position stehen.

Die La Sportiva Otaki Kletterschuhe im Test

Kleine Tritte sind auch für den Otaki kein Problem, jedoch spürt man durch die gepolsterte Spitze nicht jede Struktur. In der Halle oft kein Problem, da die Tritte meist groß sind, aber am Fels bei kurzen harten Routen mit sehr kleinen Tritten macht sich die fehlende Sensibilität bemerkbar.

Doch man muss dazu sagen, dass der Otaki ja für längere Einsatzzeiten am Fuß entwickelt wurde – und dafür ist er einfach top! Durch die festere Schuhkonstruktion entlastet der Schuh die Fußmuskulatur bei langen Kletterrouten.

Der Otaki hat aber noch mehr Stärken. Auch bei ihm wurde die S-Heel Schale verwendet, die für einen optimalen Halt beim Heel-Hooken sorgt. Beim Toe-Hooken macht sich die geradere Schuhform und die schuppenartige Gummierung an der oberen Schuhspitze positiv bemerkbar.

Fazit zum Vergleichstest Otaki vs. Skwama

So unterschiedlich der Skwama und der Otaki auch sind: für Fels und Halle sind beide geeignet. Allerdings für etwas unterschiedliche Spielarten. Wer eher einen festeren Kletterschuh mit mittlerer Vorspannung sucht, sollte den Otaki wählen. Dieser Kletterschuh ist meiner Meinung nach perfekt geeignet fürs Seilklettern sowohl an Plastik als auch am Fels. Die stabilere Konstruktion unterstützt den Fuß auch auf kleinen, positiven Tritten.

Test-Fazit zum Otaki: Der Otaki ist vor allem interessant für etwas erfahrenere Kletterer, die einen robusten, nicht zu weichen Schuh fürs Training oder Routenklettern suchen. Er ist etwas steifer als der Skwama – mit allen Vorteilen, die das auf kleinen, positiven Tritten bringt, aber eben auch mit Einbußen beim Gefühl.

Im Gegensatz dazu steht der Skwama für Einsätze, wo höchste Leistung gefordert wird. Für kurze knackige Routen oder Boulder würde ich den Skwama empfehlen, gerade wenn es auf viel Sensibilität ankommt. Und ja – auch „die Kürze“ muss man erwähnen: denn nach einer gewissen Zeit freuen sich die Zehen doch auf ein bisschen Luft und Bewegung.

Test-Fazit zum Skwama: Mit dem Skwama existiert nun, neben dem Python, ein zweiter „Slipper mit Klett“ in der La Sportiva-Reihe. Auch hier wurde ein Kletterschuh für den fortgeschrittenen Kletterer entwickelt. Wie der Python bringt er jede Menge Gefühl mit, doch er ist deutlich robuster und fester gebaut. Mit der härteren Sohle lassen sich die kleinsten Tritte anstehen und durch die ausgetüftelte Fersenschale hält jeder Hook. Somit ideal geeignet fürs Bouldern oder kurze, anspruchsvolle Routen.

Mehr zum Thema Kletterschuhe und Klettern im Bergzeit Magazin

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