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Vier Pfoten am Berg

Wandern mit Hund: Bergsteiger-Seminar für Zwei- und Vierbeiner

5 Minuten Lesezeit
Für bergsportelnde Hundebesitzer eine Tour mit ihrem vierbeinigen besten Freund das Höchste. Was für Besonderheiten sie beim Wandern mit Hund beachten sollten, das wurde in einem dreitägigen Seminar auf der neuen Regensburger Hütte erklärt.

Die Neue Regensburger Hütte im Stubaital – ein außergewöhnlicher Ort für ein Seminar, aber der ausgeschriebene Kurs ist  ja auch nicht alltäglich: „Mit dem Hund ins Gebirge“ lautet der Titel, eingefunden haben sich acht Vierbeiner samt ihrer Besitzer. Trotz des (für manche recht) beschwerlichen Aufstiegs (1.000 Höhenmeter bei gut 30 Grad im Schatten) ist die Stimmung gut – bei Mensch und Tier. Kein Wunder, die Bedingungen für das Hundetraining sind an der Hütte perfekt: Ein tierlieber Hüttenwirt, eine tolle Umgebung auf über 2.000 Metern Höhe mit Bach, Wasserfall, jede Menge Platz zum Toben, einem Badesee, vielen Felsen und einem Geröllfeld zum Üben.

Anforderungen an einen „Berghund“

Fit fürs Gebirge? Nicht jeder Hund ist von Haus aus "geländegängig". Üben hilft.
Fit fürs Gebirge? Nicht jeder Hund ist von Haus aus „geländegängig“. Üben hilft.

Als erstes steht aber Theorie beziehungsweise der Ablaufplan des Seminars auf dem Programm: Abends pauken bis halb zehn, morgens geht es täglich um 9 Uhr mit der Praxis los. Zunächst mit den wichtigsten Bedingungen, die ein „Berghund“ erfüllen sollte: Vertrauen zum Besitzer, Gehorsam, Verträglichkeit, Erziehung und Gesundheit – und natürlich Geländegängigkeit. Geländegängigkeit??? „Haben Hunde nicht einen automatischen Allrad?“, fragen sich die zweibeinigen Besitzer. „Nein, viele Hunde haben zum Beispiel überhaupt kein Gespür für Ihre Hinterhand und wie sie ihre Pfoten setzen müssen,“ klärt Seminarleiterin und Hundetraininerin Susanne Gridling auf. So wird erst einmal der „Allrad“ der einzelnen Hunde auf Herz und Nieren getestet. Mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen, aber nach etwas Übung auf einer einfachen Palette und später im Geröll wurden alle sicherer.

Gezeigt wird später, wie die Kommandos, die ein Hund bei Wanderungen und auf Bergtouren aus dem Effeff beherrschen sollte, trainiert werden: „Hinten“ (um den Besitzer nicht mit gestraffter Hundeleine vom Berg zu ziehen) und „Stopp oder Steh“ vor Abhängen, Stromzäunen und weiterer Hindernisse am Berg. Dann wird der Umgang mit Weidevieh wie Schafen (die allerdings nicht scheu, sondern mächtig neugierig sind) und Kühen erklärt, das Hund und Mensch im Gebrige aus der Ruhe bringen kann.

Ein weiteres Highlight ist die Trockenübung zum „Gondelfahren“. In Ermangelung eines Liftes wird kurzerhand das hauseigene Ruderboot der Neuen Regensburger Hütte zweckentfremdet. Je ein Hund muss in das wackelige Plastikboot, um sich eine Runde über den Badesee schippern zu lassen. „Es geht darum, dass der Besitzer lernt, wie er seinen Hund motivieren kann, ihm überall hin zu folgen. Egal ob das nun eine Gitterbrücke oder die wackelige Seilbahngondel – oder eben das Boot ist“, so Gridling. Wichtigste Basis dabei sei Vertrauen, Ruhe und das Vermögen, dem Hund Sicherheit zu vermitteln. „Dann kann man den Hund auch über kurze, schwierige Stellen tragen oder auch mal über eine heikle Stelle heben und an einen standfesten Mitwanderer übergeben. Aber auch das muss geübt werden“. Gesagt, getan, und siehe da: Auch schüchterne Hunde lassen sich (zur Not mit Leberwurst bestochen) vom Boden heben, an die Trainerin übergeben und von ihr tragen (A.d.R.: Falls das Gewicht des Hundes dies zulässt).

Wandern mit Hund will geübt und vorbereitet sein

Wandern mit Hund: Gondeltraining.
Oft sieht sich Hund beim Wandern mit ungewöhnlichem konfrontiert: Mit einer Gondel zum Beispiel – oder einem kleinen Boot.

Ganz viele Tipps, wie man seinen Hund schon daheim im Flachland auf die Berge hin trainieren kann, werden den Teilnehmern an die Hand gegeben. Im Theorieteil an den Abenden hat auch die Erste Hilfe einen großen Anteil. Ganz genau erklärt die Seminarleiterin, wie ein Pfotenverband anzulegen ist und was man bei Notfällen am Berg wie Hitzschlag, Knochenbruch oder Schlangenbiss zu tun hat. „Ruhe bewahren und sehen, wie man den Hund am besten ins Tal bekommt“, so lautet die kurze Zusammenfassung der Trainerin, wenn der Hund tatsächlich nicht mehr von allein weiter kann. „Am besten immer zur nächsten Hütte laufen. Hütten müssen irgendwie versorgt werden und die Pächter haben immer wenigstens einen Tipp und im Bestfall ein Auto oder eine Materialseilbahn parat.“

Ganz wichtig ist natürlich auch die Hundeausrüstung: „Am Berg haben Hundehalsbänder wegen der Strangulierungsgefahr nichts verloren“, stellt Gridling klar, die selbst schon zusehen musste, wie ein Hund sich bei einem Sturz wegen eines verklemmten Halsbandes das Genick brach. „Am besten für Wanderungen mit dem Hund ist ein gut sitzendes Hundegeschirr, das zu dem Körper des Hundes passt, nicht rutscht und keine Scheuerstellen fabriziert. Eine Leine, je nach Vorliebe starr, mit Expander oder eine Flexileine und ein Faltnapf für Wasser oder Futter gehören wie ein Erste-Hilfe-Set in jeden Rucksack“, so die Trainerin. Falls es sich bei der Beschaffenheit der Wege um sehr scharfkantiges Gestein oder Geröll handelt, haben sich laut Expertin auch Booties bzw. Hundeschuhe bewährt.

Bei einer Wanderung mit den Hunden durch die Moorlandschaft bis hin zum Talschluss hinter der Neuen Regensburger Hütte wird das Gelernte gleich in die Praxis umgesetzt. Alle Mensch-Hunde-Teams schlagen sich bei dieser Tour wacker. Nach einem Wochenende werden aus acht Flachland-Hunden ganz toll anzusehende Bergziegen mit schwanzwedelnder Rute…

Das Seminar „Mit dem Hund ins Gebirge“ findet auch 2014 wieder statt. Details und Programm findet man dann unter www.regensburgerhuette.at

Mehr Infos zum Thema Wandern mit Hund gibt’s auf der Website der Autorin unter www.mein-wanderhund.de.

 

Die geeignete Hundeausrüstung fürs Wandern gibt’s bei Bergzeit:

Mehr zum Thema Hunde und Wandern im Bergzeit Magazin:

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