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Traumhaft wandern

Wandern am Rand der Eifel: Traumpfad Eltzer Burgpanorama

10 Minuten Lesezeit
Deutschlands Mittelgebirge sind ein Paradies für Wanderer und mit dem "Wanderboom" wächst die zahl gut markierter Themenwege stetig. Das "Eltzer Burgpanorama" unweit der Mosel ist so eine Wanderung. Karl-Georg-Müller stellt die Tour am Rand der Eifel vor.
Dünenwanderung in der Eifel? Unsere Runde am "Elzer Burgpanorama" führt durch eine sanfte Wiesenlandschaft.
Dünenwanderung in der Eifel? Unsere Runde am „Eltzer Burgpanorama“ führt durch eine sanfte Wiesenlandschaft.

Wandern an der Mosel und am Rhein, Schlendern über die Höhen der Eifel – wem die Alpen eine Nummer zu groß sind und wer die Berge etwas sanfter mag, wird die deutschen Mittelgebirge lieben. Obwohl sie schon lange ein Paradies für Wanderer sind, wachen die Regionen aus ihrem Dornröschenschlaf erst jetzt richtig auf. Denn Wandern wird modern.

Man kann diesem Wandertourismus skeptisch entgegentreten. Nicht alles, was plötzlich viele Menschen anlockt, wird zwangsläufig besser. Einen Vorteil erkennt der passionierte Wanderer, wenn er den Vergleich zu früher zieht: Die Verantwortlichen bewerben diese Wanderwege sehr intensiv. Doch zum Glück bleibt es nicht bei der Werbung, denn die Routen werden auch nachhaltig betreut. Tourismusbüros arbeiten jetzt häufiger zusammen. Wurde bislang viel auf kleiner Flamme geköchelt, sprießen nun vermehrt gemeinsame Projekte aus dem Boden.

Die „Traumpfade“ gehören dazu, 26 Wege erblickten im Lauf der vergangenen Jahre das Licht der Wanderwelt, breit gestreut über die Vordereifel, den Rhein und die Mosel. Die Schönheiten der sehr vielfältigen Landschaften verpackte man in die Wanderwege, woraus ein Kaleidoskop an unterschiedlichen Traumpfaden entstand. Daneben faszinieren im Westerwald die „Erlebnisschleifen“, und Hunsrück und Saar locken mit ihren „Traumschleifen“ die Wanderer herbei.

Traumpfade Rhein-Mosel-Eifel: eine reiche Vielfalt

Burg Eltz unweit der Mosel zählt zu den bekanntesten Ausflugsburgen Deutschlands. Auf dem Traumpfad ist sie eines der Highlights.
Burg Eltz unweit der Mosel zählt zu den bekanntesten Ausflugsburgen Deutschlands. Auf dem Traumpfad ist sie eines der Highlights.

Stolze Burgen, verträumte Schlösser, steile Weinberge und tiefe Täler und Schluchten, windige Wege über den Höhen, Wacholderheiden zum Sattsehen und Wälder, so weit das Auge reicht. Wer hier nicht sein Wanderglück findet, sollte den Wanderschuh an den Nagel hängen. Einige markante Wege stelle ich in der kommenden Zeit vor. Gezielte Griffe in die reich gefüllte Kiste, aus der jeder seinen bunten Strauß selbst nach seinen eigenen Vorlieben zusammenstellen kann. Ich werde von traumhaften Wanderwegen erzählen, die mich besonders beeindruckt haben.

Zu den Traumpfaden zählt der „Eltzer Burgpanorama“. Wer sich an die lange vergangenen D-Mark-Zeiten erinnern kann: Das Motiv der Burg Eltz zierte den 500-Mark-Schein. Die geldbekannte Burg ist nicht das Ziel unserer Wanderung, die wir am Dorfgemeinschaftshaus in Wierschem starten, sondern „nur“ eine Zwischenetappe – doch was für eine! Bis zur Burg aber müssen wir uns noch gedulden.

Wandern mit Blick auf die Eifel

Hier kann man sich nicht verlaufen. Die Wanderung am Mosel-Plateau ist gut markiert.
Hier kann man sich nicht verlaufen. Der Traumpfad ist gut markiert.

Wir haben Glück. Die Sonne glänzt am Himmel. Die Luft flirrt vor Hitze, ein leichter Wind begleitet uns auf den ersten Metern, die uns rasch aus Wierschem heraus und in die bunte Landschaft des Maifelds am westlichen Rand der Eifel führen. Es ist ein Potpourri aus Feldern und Wiesen, in dem wir wandern. Alles ist gekleidet in saftiges Grün oder die Farben der Jahreszeit, die dominiert wird von Feldblumen oder dem überall präsenten Raps. Unser Weg windet sich mal hierhin, mal dorthin, aber immer mit einem Ziel, das sich bald tief unter uns im Blätterdickicht zeigt: dem Elzbachtal.

Doch zuvor lädt uns eine der traumpfadüblichen Rastplätze zum Verweilen ein: Um einen Tisch gruppieren sich vier Bänke. Ein Angebot, zu dem auch wir nicht nein sagen können. Zudem haben wir es zu unserer Gewohnheit gemacht, daheim spartanisch zu frühstücken und den Hunger mit auf die Wanderung zu nehmen. Während wir also unsere grimmig knurrenden Mägen besänftigen, wandern die Blicke über die sanften Hügel, saugen den Überfluss an Farben auf und sehen sich satt.

Burg Pyrmont – ein weiteres Wanderziel nah der Mosel

Üppig grün wuchert es über dem Elzbach.
Üppig grün wuchert es über dem Elzbach.

Bald darauf tauchen wir zum ersten Mal in den Wald ein. Hier dominieren die Laubbäume das Landschaftsbild. Auf weichem Untergrund verlieren wir langsam an Höhe, Sträucher und Büsche drängen sich dicht heran, der Weg wandelt sich zum Pfad. In gemächlichen Kehren und Kurven steigen wir ins Tal hinab. Wir müssen nicht lange warten, bis wir das Rauschen des Elzbaches aus der Tiefe hören. Auf dem Talgrund wenden wir uns nach rechts, obwohl die Burg Elz zur anderen Seite liegt. Folgten wir nun dem breiteren Weg weiter als bis zur Brücke, an der wir dann den Bach überqueren, erreichten wir Burg Pyrmont. Mit dieser ist ein weiterer nicht weniger eindrucksvoller Traumpfad verbunden.

Der Elzbach schießt durch das satt-grüne Auental

Wir aber wandern bachabwärts in Richtung Mosel. Der Weg auf dieser Bachseite ist schmal und trennt sich öfter von der Elz. Bald schwingt er sich wie eine Achterbahn nach oben und rankt sich am Hang entlang. Wir sehen den Bach, der von den vielen Regenfällen der vergangenen Wochen proppenvoll und, wie wir an den feuchten Uferflächen erkennen, richtig übergelaufen ist. Jetzt noch sprudelt viel Wasser in der Elz, wodurch sie besonders wild und ungezügelt durch das satt-grüne Auental schießt.

Der Bach, der Berg, die Burg!

Eine Führung in der geschichtsträchtigen Burg Eltz dauert etwa 40 Minuten. Es lohnt sich!
Eine Führung in der geschichtsträchtigen Burg Eltz dauert etwa 40 Minuten. Es lohnt sich!

Dass Burg Eltz auch für Nicht-Wanderer ein Magnet ist, erkennen wir, je näher wir unserem spektakulären Mittelpunkt der Wanderung kommen: Wir sind längst nicht mehr allein auf dem Wanderweg. Als wir die Eltz ein zweites Mal überqueren und einen vorerst letzten Anstieg nehmen, bleiben wir abrupt stehen und starren. Ob vor Erschöpfung, weil die unvermutete Hitze uns zu schaffen macht, oder vor Begeisterung, lässt sich im Nachhinein schlecht sagen. Wir sehen die Burg nicht zum ersten Mal, und doch ist es für uns ein immer wieder beeindruckendes Bild, das sich vor uns aufbaut.

Den Begriff „majestätisch“ gebrauche ich selten, hier trifft er zu. Wie geschaffen für einen Fantasy-Film, hochgereckt und ausgestattet mit unzähligen Türmen und Türmchen, Erkern und Balkonen, so präsentiert sich Burg Eltz. Scheinbar gefallen aus einer alten, vergangenen Zeit …

Heute verzichten wir auf die Burgbesichtigung. Nicht, weil zu viele Besucher vor Ort sind, aber wir kennen die Burg von früheren Besuchen zu Genüge. Burg Eltz zählt sicher zu den meist besuchten deutschen Burgen, und das zu Recht. Alles Wichtige steht auf der Webpräsentation der Burg. Wer den Traumpfad „Eltzer Burgpanorama“ erwandert, darf eine Besichtigung auf keinen Fall auslassen – es lohnt sich!

Wir machen stattdessen einen Abstecher hinauf zur Trutzburg Eltz, die dem Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg zur Belagerung diente. Von hier oben sieht man die Burg in ihrer ganzen Größe und Kraft. Warum sich der gute Erzbischof einst fünf Jahre lang die Zähne an ihren Mauern ausbiss, bis sich die Herren der Burg 1336 doch ergaben, lässt sich erahnen.

Wandern am Rand der Eifel. Die herrliche Landschaft des Maifelds bietet tolle Eindrücke.
Wandern am Rand der Eifel. Die herrliche Landschaft des Maifelds bietet tolle Eindrücke.

Zögernd lösen wir uns von der Aussicht und dem Anblick, aber noch liegen einige Kilometer vor uns, die es in sich haben. Nicht nur das Tal wird jetzt eng und der Pfad schmal, auch der Elzbach stürzt sich heftiger seinem Ziel an der Mosel entgegen. Wieder schlingert der weiche Weg am Fluss entlang und schraubt sich ein ums andere Mal einige Meter hinauf. Presst sich über den Krüppeleichen an den Hang, um letztlich kurz vor der Ringelsteiner Mühle den Talgrund zu erreichen.

Wer möchte, kann hier an der Ringelsteiner Mühle parken und den Einstieg in den Traumpfad nehmen. Zum Abschluss winkt dann die Einkehr in die gastliche Lokalität. Doch Achtung! Wer wie wir gegen den Uhrzeigersinn wandert, bürdet sich gleich einen scharfen Anstieg auf. So oder so, er muss genommen werden, und deshalb warten wir lieber nicht, bevor uns die Müdigkeit in die Glieder fährt, und steigen hinauf. Ein schmaler Weg, manchmal hart am Abhang. Wurzelgeflecht, das den Füßen im Weg liegt. Die Augen wandern den Berg in die Höhe – und sehen dort noch lange kein Ziel. So dreht und wendet sich der Pfad weiter, und der Atem rast schneller. Wie dankbar wären wir jetzt über jenes laue Lüftchen, das uns zu Beginn der Wanderung um die Nasen spielte.

Wandern mit Aussicht: toller Blick über die Eifelhöhen

Aussichtsreiche Wanderung: Blick über die Eifelhöhen.
Aussichtsreiche Wanderung: Blick über die Eifelhöhen.

Nach einer endlos langen Kletterei sind wir oben. Eine der eleganten Traumbänke kommt uns gerade recht, damit wir die Beine ausstrecken und ihnen eine Ruhepause gönnen können. Wir leeren unsere Wasserflaschen. Direkt vor uns fällt der Hang steil ab. Geradeaus jedoch breitet sich das Blätterdach wie ein Mantel über dem Tal aus und verbirgt die Elz vor unseren Blicken.

Sobald der Atem wieder gleichmäßig fließt, wenden wir uns ab. Der heftige Anstieg ist geschafft, von jetzt an geht es gemächlich weiter. Hier wechselt auch das Landschaftsbild, statt des grünen Schirms aus Ästen und Zweigen, der sich über uns spannte, wandern wir nun an Feldern entlang. Wir schöpfen die warme, aber doch frische Luft in vollen Zügen, lassen es einfach „rollen“ und schenken uns reine Genusszeit.

Noch einmal senkt sich der Weg hinab, der hier oben teils asphaltiert, meist jedoch grasbewachsen ist. Das Wäldchen am Kerner Bach spendet uns Schatten, bevor wir ein letztes Mal entlang der Wiesen wandern. Hier nehmen wir uns eine abschließende Auszeit und sehen von der Höhe weit über das Moselplateau bis zum Hunsrück. Nur kurze Zeit danach, während wir still durch einen kleinen Wald gehen, schälen sich die Häuser zwischen den Bäumen hervor: Wir haben Wierschem wieder erreicht.

Dieser Traumpfad ist die denkbar schönste Art, sich Burg Eltz anzunähern. Von der Auenlandschaft mit dem wirbelnden Elzbach, über den unvergesslichen Blick auf die mächtige Burg Eltz bis hin zu den Feldern und Wiesen, die das Gefühl von endloser Weite vermitteln – der Traumpfad „Eltzer Burgpanorama“ bietet alles, was das Wanderherz begehrt. Dazu wandert man meist auf weichem Untergrund, als dürften die Schritte nur sanft den Boden berühren. Ganz so, als ob man in einer fantastischen Welt unterwegs sei, weit weg von unserer wirklichen Welt.

Wandern am Elzer Burgpanorama: Tipps & Infos

Der Traumpfad „Eltzer Burgpanorama“ weist bei einer Wegstrecke von 12,6 Kilometern 397 Höhenmeter auf. Man sollte eine Gehzeit von mindestens vier Stunden einkalkulieren (dazu kommt die mögliche Burgführung von circa 40 Minuten). Gestartet wird in Wierschem oder an einem der beiden anderen Einstiegspunkte (Ringelsteiner Mühle und Wierschem, Parkplatz zur Burg Eltz, jeweils kostenpflichtig). Meine Empfehlung lautet: wie angegeben gegen den Uhrzeigersinn wandern. Man nähert sich Burg Eltz von oben herab, in meinen Augen die schönere Annäherung. Zudem geht sich der Pfad von der Ringelsteiner Mühle bergauf – trotz der Anstrengung – angenehmer als bergab. Alle Traumpfade sind nahezu unverlaufbar ausgeschildert, weshalb eine Wegekarte nicht notwendig ist.

Gute Wanderschuhe lege ich jedem ans Herz (und dann über die Touristen staunen, die von der Mosel in Modeschühchen oder Schlappen die Elz hinaufwandern …). Genügend Getränke mitnehmen, denn in den Sommermonaten wird es auf den Eifelhöhen heiß, und die Anstiege fordern ihren Tribut in Form von reichlich Flüssigkeit. Und bitte eine ausreichende Kondition mitbringen, um den lang gezogenen Anstieg bewältigen zu können. Möglichkeiten zur Einkehr bestehen in der Burg Eltz und der Ringelsteiner Mühle oder in Wierschem (beispielsweise im Landhaus Neuhof). Weitere Informationen finden sich auf der Website der Traumpfade.

Die geeignete Ausrüstung für’s Wandern gibt’s natürlich bei Bergzeit:

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