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Gebaut für die Extreme

Mountain Hardwear Trango 3: Expeditionszelt im Test

6 Minuten Lesezeit
Nichts für den konventionellen Campingeinsatz: Das Trango Zelt von Mountain Hardwear wurde für anspruchsvolle Touren gebaut. Auf seiner Hochgebirgsexpedition im Karakorum-Gebirge hatte Lukas Brexler das robuste Trango 3 mehrere Wochen im Einsatz.

Sobald man in rauen Gefilden unterwegs ist, stellt man hohe Anforderungen an die mitgeführte Ausrüstung. So lege ich auf Expeditionen in große Höhen großen Wert auf ein gutes Expeditionszelt, da dies der einzige Ort ist, an dem man sich von den Strapazen am Berg erholen kann.

Gebaut für Extremeinsätze im Hochgebirge: Das Trango 3 von Mountain Hardwear gibt dem Wind durch seine geodätische Konstruktion wenig Angriffsfläche. | Foto: Lukas Brexler
Gebaut für Extremeinsätze im Hochgebirge: Das Trango 3 von Mountain Hardwear gibt dem Wind durch seine geodätische Konstruktion wenig Angriffsfläche. | Foto: Lukas Brexler

Das Mountain Hardwear Trango 3 ist laut Hersteller ein Zelt für Extremeinsätze. Gebaut, um auch den stärksten Sturmböen und längsten Schneefällen bei Unternehmungen im Hochgebirge zu widerstehen. Damit das Expeditionszelt solchen Naturgewalten standhält, verwendet Mountain Hardwear eine geodätische Zeltkonstruktion. Durch die vielen Kreuzungspunkte der Stangen wird die Kraft des Windes auf viele kleine Flächen übertragen, was wiederum die Standfestigkeit erhöht.

Ein Bunker zum Mitnehmen

„Ganz schön schwer“, dachte ich, als ich das Mountain Hardwear Trango 3 aus dem Versandkarton auspackte. Als ich dann jedoch das erste Mal den gut dimensionierten Packsack öffnete, revidierte ich meine erste Meinung. Für ein doppelwandiges, expeditionstaugliches Drei-Personen-Zelt mit fünf Gestängebögen ist das Gewicht von nachgemessenen 5.010 Gramm durchaus in Ordnung, wenn man den Einsatzbereich bedenkt – in unserem Fall als Basecamp- und Hochlager-Zelt für eine mehrwöchige Bergexpedition im Hochgebirge in China. Die Materialauswahl des Mountain Hardwear Expeditionszeltes lässt nicht zu wünschen übrig: Hochwertiges DAC Featherlite NSL Gestänge aus Aluminium sowie ein robustes Nylonmaterial sowohl für das Innenzelt (40 Denier) als auch für das Außenzelt (70 Denier) spiegeln den bereits angesprochenen Einsatzbereich wider. Das Außenzelt ist komplett wasserdicht mit versiegelten Nähten und verschweißten Ecken und Schnurhalterungen. Die Bodenwanne ist zudem relativ hoch gezogen, sodass Feuchtigkeit von unten nur schwer eindringen kann.

Das Mountain Hardwear Trango 3: So wird’s aufgebaut

Der Aufbau des Mountain Hardwear Trango Zeltes geht dank des Clipsystems schnell und leicht: Das Innenzelt wird einfach an das Gestänge geclippt und auch das Außenzelt kann ohne zusätzliche Heringe per Clip an der Gestängehalterung befestigt werden. | Foto: Lukas Brexler
Der Aufbau des Mountain Hardwear Trango Zeltes geht mithilfe des Clipsystems schnell und leicht: Das Innenzelt wird einfach an das Gestänge geclippt und auch das Außenzelt kann ohne zusätzliche Heringe per Clip an der Gestängehalterung befestigt werden. | Foto: Lukas Brexler

Beim Aufbau des Mountain Hardwear Trango 3 helfen die farblich markierten Stangen, sodass es keine Verwechslungsgefahr gibt. Auch auf einen eventuellen Bruch des Zeltgestänges ist man vorbereitet, eine provisorische Reparaturhülse liegt bei. Das Gestänge des Trango 3 wird mit kleinen Plastik-Clips am Innenzelt befestigt. Diese sind meiner Meinung nach etwas zu klein und unhandlich dimensioniert, wenn man das Expeditionszelt mit Handschuhen aufbauen muss (was ja auf einer Expedition durchaus vorkommt). Abgesehen davon funktioniert das Aufbauen mit dem Clipsystem aber schnell und unkompliziert. Die Dreikantheringe lassen sich gut in festen Boden treiben (man denke an eine Moräne oder Ähnliches), lediglich für weichen Schnee oder schwierigen Untergrund würde ich Plastikanker empfehlen, zum Beispiel kleine mit Sand oder Schnee gefüllte Plastiktüten, die man um die Heringe befestigt und in den Boden gräbt, damit das Zelt sicher steht.

Steht das Innenzelt, wird das Außenzelt darüber geworfen. Dabei kann man sich die Position der großen Apside beim Mountain Hardwear Trango 3 Zelt auch dann erst aussuchen, wenn das Innenzelt bereits steht, denn dieses ist symmetrisch aufgebaut und verfügt über zwei gegenüberliegende Eingänge. Auch die Gestängekanäle für den fünften Bogen sind entsprechend flexibel angebracht. Auf der gegenüberliegenden Seite der großen Apside befindet sich eine zweite, kleinere Apside (allerdings ohne zusätzlichen Gestängebogen). Das Außenzelt wird über kleine Clips direkt mit den untersten Gestängehalterungen verbunden. So werden keine zusätzlichen Heringe benötigt. Bei Bedarf, zum Beispiel bei Sturm, lässt sich das Trango 3 Zelt natürlich abspannen, entsprechende Schnüre liegen bei.

Stauraum und Features

Der geräumige Vorraum des Expeditionszeltes bietet ordentlich Platz zum trockenen Lagern von Equipment. An der Innenseite des Innenzeltes sind zudem große Meshtaschen angebracht, in denen Ausrüstung, die nicht auf dem Boden liegen soll, verstaut werden kann. Die Belüftungsöffnungen im obersten Bereich des Innenzeltes lassen sich per Reißverschluss verschließen, damit kein Schnee- oder Sandstaub eindringen kann. Sie sind ebenso wie die beiden Eingänge zusätzlich mit einem durchsichtigen Insektenmesh versehen, was Belüftung und Durchblick ermöglicht.

Praxis-Test auf Expedition

Im Hochlager auf 5.400 Metern hatten wir alles, was das Wetter im Hochgebirge zu bieten hat: Schneesturm, Sonne, Regen, Wind. Auf unseren Bunker, das Mountain Hardwear Trango Zelt, war Verlass. | Foto: Lukas Brexler
Im Hochlager auf 5.400 Metern hatten wir alles, was das Wetter im Hochgebirge zu bieten hat: Schneesturm, Sonne, Regen, Wind. Auf unseren Bunker, das Mountain Hardwear Trango Zelt, war Verlass. | Foto: Lukas Brexler

Wenige Wochen nach dem ersten Aufbau folgte der große Härtetest für das Mountain Hardwear Trango 3 auf unserer Shaksgam Expedition im chinesischen Karakorum. Wir setzten das Zelt im vorgeschobenen Basislager (4.400 Meter) sowie als Hochlagerzelt (5.400 Meter) ein. Bei dieser Expedition war jedes Wetter vertreten: intensive Regenfälle, Schneestürme und strahlender Sonnenschein. Das Trango 3 zeigte auch nach zehn Tagen Dauerbelastung keine Abnutzungserscheinungen und stand stabil. Gut gefallen haben uns vor allem der helle, freundliche Innenraum sowie die relativ große Apsis zum Kochen, Ausrüstung lagern usw. Die sehr stabile Konstruktion ermöglicht einen guten Schlafkomfort, da man sich mit dem Trango nicht sorgen muss, bei einem nächtlichen Sturm mit dem Zelt weggeweht zu werden. Beim Auf- und Abbau des Zeltes mussten wir beim Öffnen der Gestängeclips aufpassen, dass wir diese nicht durchbrechen. Hier würde eine etwas robustere, aber vermutlich auch schwerere, Konstruktion Sinn machen, zumal auch die Bedienung mit Handschuhen nicht immer ganz einfach ist. Zweckmäßig sind die vielen Abspann- und Befestigungsmöglichkeiten des Außenzeltes des Trango. Die Snowflaps an der Apsis verhinderten wirksam das Eindringen von Schnee und Sand. Beschwert man diese jedoch mit Steinen (und eine andere Möglichkeit zur Fixierung der Snowflaps gibt es nicht), leidet das Material. Auch an dieser Stelle könnte das Trango 3 von Mountain Hardwear noch etwas robuster gestaltet sein, allerdings ginge auch das zu Lasten der Gewichtsbilanz.

Test-Fazit zum Mountain Hardwear Trango 3 Expeditionszelt

Das Mountain Hardwear Trango 3 ist mit knapp über fünf Kilo kein Zelt für den konventionellen Campingeinsatz und wird Euch auch auf leichten Trekkingtouren nicht zufrieden stellen. Wer aber ein Zelt für die Durchquerung des patagonischen Inlandeises, die nächste Nanga Parbat Expedition oder eine anspruchsvolle Wintertour in Norwegen sucht, ist mit dem Trango 3 als  Expeditionszelt gut beraten. Durch die stabile geodätische Konstruktion trotzt das Zelt den im Hochgebirge zu erwartenden Bedingungen, das Handling im Aufbau ist übersichtlich und die große Apside bietet Stauraum und Platz zum geschützten Kochen.

Fotogalerie: Das Mountain Hardwear Trango 3 im Test

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