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Schnelles Leichtgewicht

Merrell Trail Glove 4: Barfußlaufschuhe im Test

5 Minuten Lesezeit
Der Merrell Trail Glove 4 geht 2017 schon in das vierte Modelljahr. Bergzeit-Autorin Carolin Gartner hat den Barfußlaufschuh beim Wandern und Trailrunning getestet - und ist zu einem verblüffenden Ergebnis gekommen.

Merrell Trail Glove 4 – mit großer Vorfreude warte ich auf mein erstes Testobjekt. Ich kann es kaum erwarten, meinen ersten Barfußschuh endlich zu erhalten. Denn persönlich erwartete ich von dieser für mich neuen Art Laufschuh eine bessere Körperkontrolle, ein tolles Laufgefühl durch mehr Bodenverbundenheit und letztendlich auch ein effektiveres Training.

Bequem und leicht: Mein erster Barfußlaufschuh

Das Testgelände für den Merrell Vapor Glove 4: Das Spitzinggebiet. | Foto: Carolin Gartner
Das Testgelände für den Merrell Trail Glove 4: Das Spitzinggebiet. | Foto: Carolin Gartner

Nun ist es endlich soweit – ich kann den Schuhkarton endlich auspacken. Als erstes springt mir die Optik des Merrell-Laufschuhs ins Auge. Erster Eindruck: schonmal sehr ansprechend! Zudem ist der minimalistische Barfußschuh mit seinen nur 364 g ein echtes Leichtgewicht.

Schon beim ersten Hineinschlüpfen fühlt sich der Merrell Trail Glove 4 wie eine zweite Socke an. Er ist der perfekte Handschuh für meine Füße! Von der Passform her fällt der Schuh ganz normal aus. Um die Zehen ist er etwas lockerer geschnitten. Durch die stabile und direkte Schnürung der „Wrap Tongue“ kann die Passform im Mittelfußbereich auch ganz einfach nachjustiert werden. Die Schnürsenkel halten zuverlässig und sind während des Tests nie aufgegangen. Die Zunge besteht aus Mesh und ist leicht gepolstert, angenehm geformt und sehr bequem. Außerdem drückt der Schuh nicht auf die Achillessehne.

Das Obermaterial mit Mesh/synthetic TPU sorgt für einen sehr atmungsaktiven und angenehmen Tragekomfort.  Um etwas Schutz zu haben, ist der Zehenbereich mit einer gummierten Zehenschutzkappe versehen. Geruchsschutz bietet das antibakteriell behandelte „TrailProtect™“ Fußbett. Durch die extrem minimalistische Sohle (Höhe 3 Millimeter) bekommt man schnell das Gefühl, tatsächlich Barfuß unterwegs zu sein. Da ich bisher nur mit Schuhen mit Dämpfung und etwas höherer Sprengung gelaufen bin, war ich gespannt, inwiefern diese Tatsache mein Laufverhalten beeinflusst.

Merrell Trail Glove 4 im Praxistest

Endlich kann ich loslegen – und meine neue Errungenschaft einweihen. Auf Empfehlung beginne ich erst einmal mit einer leichten Wanderung mit Klettersteigeinlage im Spitzinggebiet – unter anderem auf die Aiplspitz. Bei den Wanderrouten fühlt sich das Gehen die ersten paar Meter ungewöhnlich bodennah an.

Nach und nach jedoch gewöhne ich mich jedoch daran, dass man den wurzeldurchsetzten, steinigen Untergrund durch die Schuhsohle hindurch spüren kann. Es fühlt sich wie eine angenehme Fußmassage an. Der Grip beim Aufstieg war aufgrund der Vibram-Sohle auch auf felsigen Grund überraschend gut. Beim Abstieg jedoch musste ich schnell erkennen, dass sich der Merrell Trail Glove 4 auf weichem, schlammigem und lehmigem Untergrund nicht sehr wohlfühlt. Das gibt in Sachen „sicheres Gefühl“ einen Punkt Abzug.

Das erste Mal Barfuß-Trailrunning

Im Anschluss daran fühle ich mich bereit, meinen ersten Lauf zu starten. Erst einmal führe ich den Merrell Trail Glove 4 nur auf dem Feld aus. Anfangs habe ich das Gefühl, dass es etwas schwerer fällt, mit diesem Schuh zu laufen. Grund dafür ist in meinen Augen die fehlende Dämpfung – der Mangel an zusätzlicher Unterstützung fühlt sich anfangs etwas seltsam an. Die ersten 6 km sind also etwas gewöhnungsbedürftig, am Tag danach kündigt sich zudem auch Muskelkater im Waden/Po – Bereich sowie im Rücken an. Aber dank der tollen Passform verfliegt die Unsicherheit schnell und macht Neugierde Platz!

Relativ schnell beginne ich also damit, auf differenzierteren Untergründen wie Asphalt, Feldern und Wiesen loszulegen. Ganz im Gegenteil zu vielen Meinungen habe ich mich überraschenderweise gut an das Laufen mit dem Barfußlaufschuh – speziell über den Vorfuß – gewöhnt. Trotz anfänglicher Skepsis sitzt der Merrell Trail Glove 4 immer fest und gibt nie das Gefühl unzureichender Stabilität, trotz seiner extrem flexiblen und dünnen Sohle. Somit weicht die Vorsicht beim Tempo schnell und der Spaßfaktor steigt!

TIPP: Grundsätzlich sollte der Umstieg auf Schuhe der Merrell Barefoot-Reihe  langsam erfolgen, da aufgrund der niedrigen, flachen Sohle die Fußmuskulatur stark beansprucht wird. Die Füße sollten sich langsam an den härteren Aufprall gewöhnen, um so Verletzungen vorzubeugen.

Mein Fazit zum Merrell Trail Glove 4

Da schaut die Kuh: Der Vapor Glove 4 ist ein echter Hingucker. | Foto: Carolin Gartner
Da schaut die Kuh: Der Merrell Trail Glove 4 ist ein echter Hingucker. | Foto: Carolin Gartner

Um gleich mal auf die wichtigste Erkenntnis zu sprechen zu kommen: Ich habe deutliche Verbesserungen bei meiner Haltung bemerkt, auch die büro-üblichen Kreuzbeschwerden wurden weniger. Rasch war ich auch bereit, die gewohnten 20 Kilometer in der üblichen Geschwindigkeit zu laufen. Alles in allem will ich meinen Schuh nicht mehr hergeben!

Ansonsten sind die Schuhe ordentlich verarbeitet und machen bisher einen haltbaren Eindruck. Sie sind eher für die wärmere Jahreszeit oder auch für Indoor-Aktivitäten geeignet. Bei kalten Temperaturen wäre mir der Merrell Trail Glove 4 als Freizeit- oder Outdoorschuh auf Dauer nicht warm genug. Wenn es regnet, dringt das Wasser zudem sofort durch das Meshgewebe ein. Für all diejenigen, die in Zukunft gerne „barfuß“ unterwegs sein möchten, ist der Merrell Trail Glove 4 aber sicher ein guter Tipp!

 

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